Dass Lehrer Kreide mögen, ist ja logo. Gehört bei denen zum Beruf! Aber mein Geo-Lehrer ist schon ´n bisschen krass. Der hat ne richtige Kreide-Macke! Neuerdings redet der von nix anderem mehr… Im Elbsandsteingebirge zum Beispiel. Da wollte der uns doch echt einreden, dass da ein Kreidemeer ist. Pahhh! Ich bin da schon soooo oft rumgekraxelt – auf den Felsen, zwischen den Felsen, unter den Felsen – aber EIN MEER hab ich da noch nie gesehen. Erst recht keins aus Kreide. Nicht mal ne Pfütze davon!

Dummerweise hat mein Lehrer aber recht. Jedenfalls sagt das mein Freund Rainer Reichstein. Der weiß so ziemlich alles über dieses verschwundene Meer im Elbsandsteingebirge. Nicht, weil er so aussieht wie ein Seemann auf Landurlaub – sondern weil er sich seit vielen Jahren mit den Felsen und Steinen vor seiner Haustür beschäftigt und zu jedem Kiesel superspannenden Geschichten erzählen kann. Zum Beispiel diese Sache vom Kreidemeer und den versteinerten Dünen bei Hohnstein!

Wirklich! Da gibt´s DÜNEN!!! Tief drinnen versteckt in den Felswänden. Aber jemand wie Rainer Reichstein guckt da bloß mal kurz hin und findet sie. Mal sehen, wie erklär ich das…  Warst du schon mal an einem echten Urzeit-Strand? Genau bei Hohnstein, nicht weit von Pirna, war nämlich früher eine Küste. Ich meine gaaanz früher. Also wirklich mega früher! Vor 65 Millionen Jahren. Am Ende der… Achtung!… KREIDEZEIT!

Den Namen Kreidezeit haben sich Leute wie Rainer Reichstein ausgedacht, weil damals die Kreide entstanden ist. Ganz genau: dieselbe Kreide, die wir heute in der Schule zum Schreiben benutzen – Tafelkreide. Kreide entsteht in der Natur. Und zwar so: Im Meer leben winzig kleine Algen, die nicht gefressen werden wollen und sich deshalb mit nem panzerharten Mantel aus Kalk schützen: die Kalkalgen. Davon gibt´s echt viele: so ungefähr Millionen-Trillionen. Irgendwann, wenn sie sterben, sinken sie auf den Meeresboden und bilden da unten so ne riesige Kreidekalkschlammschicht. Und weil von oben immerzu Nachschub kommt, wird mit der Zeit alles festgepresst – so fest, dass man irgendwann Schulkreide draus machen kann. Oder Kreideküsten. Bei uns in der Gegend gab´s aber leider vor 65 Millionen Jahren keine Kreidefelsen wie auf Rügen, sondern nur so´n paar grüne Inseln im flachen Wasser. Du hättest die Gegend echt nicht wiedererkannt! Überall war Meer. Das Elbsandsteingbirge gab´s noch gar nicht. Die Lausitz hätte man nur mit nem Boot erreicht. Die war damals ne Insel. Ziemlich sumpfig und gefährlich wie die Everglades in Florida. Mit gigantischen Urzeit-Krokodilen und Dinos und riesigen Schildkröten. Und Wäldern aus Farn. Und Palmenstränden…

Die Wände anstarren ist in der Sächsischen Schweiz überhaupt nicht langweilig! In dem dem kleinen Loch rechts hat zum Beispiel früher mal ein Krebs gewohnt – vor vielen Millionen Jahren. Rainer Reichstein hat seine Wohnung entdeckt.

Und jetzt kommts: Davon ist sogar was übriggeblieben! Im Schulzengrund bei Hohnstein. Denn mit dem Strandsand lief´s genauso wie mit der Kreide. Er wurde ins Meer gespült – genau in die Lücke zwischen Lausitz und Erzgebirge – hat sich da als Matsche-Pampe auf dem Grund abgesetzt, wurde immer mehr und mehr und immer dicker und fester… Bis nach ner irre langen Zeit der letzte Rest Wasser versickert und nur noch felsenfester Sandstein da war. Den Dinos war das zu langweilig, die haben sich vorher vom Acker gemacht. Aber Muscheln und Krebse waren im Matsch gefangen und wurden einfach zugeschüttet. Das Tolle ist: Auch der Strand mitsamt seinen Dünen konnte nicht weg. Vielleicht wurden die bei ner Sturmflut untergebuttert und sind dann erst so paar Milliönchen Jahre später wieder aufgetaucht – im Schulzengrund. Fahr mal hin, vielleicht findest du sie. Und nimm dein Handtuch mit! Ist ja schließlich ein Strand…

 

Kuckuck! Steck ich hier etwa grad mitten in einer uralten, versteinerten Düne? Sieht jedenfalls beinahe so aus!