Mal angenommen, du gehst in den Keller und kommst – so schwupp – am anderen Ende der Stadt wieder raus. In Berggießhübel müssen die da echt aufpassen! Der Ort hat nämlich ein Geheimnis. Unten drunter. Da ist alles voller Löcher und Gänge wie bei nem Stück Käse. Und du weißt nie, wo du landest, wenn du die falsche Tür aufmachst.
Stell dir vor, du denkst dir nichts dabei und stehst plötzlich so quietschvergnügt in nem engen Gang tief unter der Erde. Es ist zappenduster und mucksmäuschenstill wie auf nem Friedhof. Ab und zu tropft es von der Decke. Alles ist kalt und nass und bäähh… Klingt ziemlich ungemütlich, oder?! Vor dir geht´s nur in eine Richtung weiter: noch tiefer in den Berg rein. Und von da… ganz weit drinnen… kommt auf einmal… so´n ganz fieses BRUMMEN! Ich sag dir: Da bist du echt froh, wenn das nur der Stephan war!
Hab ich neulich selbst erlebt! Mit Stephan Messner im „Marie Louise Stolln“. Schon gewusst? Bergleute sagen „Stolln“, wenn sie unterirdische Gänge meinen. Hat aber nix mit dem Weihnachtskuchen zu tun, sondern mit Wagenladungen voller Steine, mit Staub und Krach und lebenslanger Schufterei im Dunkeln. Der Marie Louise Stolln war nämlich früher ein Bergwerk. Und heute kann man sich angucken, wie die da in Uropas Zeiten überall rumgehämmert haben. Bei ´ner Führung mit Stephan z.B. Der ist Bergführer.
Ich schwör dir: Gegen die alten Stolln von Berggießhübel sind die Minen von Moria aus „Herr der Ringe“ bloß Pillepalle! Hätte Gollum seinen Ring im Marie Louise Stolln versteckt…. Bilbo hätte den nie gefunden! Voll krass: Da geht´s so ungefähr nen halben Kilometer weit in den Berg rein… Mal geradeaus, mal um die Ecke… An einigen Stellen musst du sogar den Kopf einziehen… unter Tropfsteinen durchkriechen… dich an bunt schimmernden Wänden vorbeitasten… Mit Stützbalken, die sprechen können… Und mit Steinen, die nen Kompass so durcheinanderbringen, dass er nicht mehr nach Norden zeigt, sondern völlig durchdreht. Ob du´s glaubst oder nicht: Dieser Berg ist nämlich ein ECHTER MAGNETBERG! Und am Ende gelangst du… an einen riesigen unterirdischen See, der im Lampenlicht wie ein blauer Edelstein funkelt! MEIIIIN SCHATZZZZ!

Dieser unterirdische See ist echt der Hammer! Hätte Gollum in „Herr der Ringe“ seinen Schatz genau HIER im Marie Louise Stolln versteckt… Ich glaub, Bilbo hätte den NIE im Leben gefunden!
Apropos Schätze! Die gibt´s im Marie Louise Stolln wirklich! Bloß nicht so wie du denkst. Das hat was mit diesem Magnet-Zauber zu tun: Berggießhübel sitzt nämlich auf dem allerbesten Schatz der Welt! Aber bevor du jetzt denkst: Bestimmt Gold! Oder Diamanten. Oder mindestens ne Erdbeer-Sorbet-Lagerstätte. Nö! – EISENERZ! Ganz genau: Und zwar vom Feinsten: sogenanntes Magnetit-Eisenerz, mit 70 Prozent reinem Eisenanteil. Du denkst jetzt bestimmt so: Hä??? Und DAS soll ein Schatz sein?! Überleg mal: Wo steckt überall Eisen drin? In deinem Fahrrad. In jedem Auto. In Türschlössern, Gullideckeln, Brücken, Zäunen, Eisenbahnschienen, Ritterrüstungen, Kanonenkugeln, Schlittschuhen… Es gibt sogar ganze Türme aus Eisen, wie den weltberühmten Eiffelturm in Paris. Der wurde sogar teilweise mit Eisen aus Berggießhübel gebaut, sagt Stephan. Gold taugt dagegen nur für so Kleinkram wie Eheringe… oder Zahnfüllungen.
Aber im Marie Louise Stolln gibt´s auch noch andere Schätze. Und zwar extra für Kinder! Die darfst du sogar selber ausgraben und mit nach Hause nehmen! Edelsteine mit voll verrückten Namen: Rosenquarz, Tigerauge, Milchquarz, Jade, Karneol… Oder Karamell? Weiß nicht mehr. Komm aber nicht auf die Idee, da alleine rein zu gehen! Im Berg muss immer einer dabei sein, der weiß, wo´s wieder rausgeht! Einer wie Stephan. Ich meine: Alleine wäre ich da unten sonst bestimmt irgendwo falsch abgebogen und in Australien rausgekommen. Oder im Herder-Gymnasium aufm Lehrerklo…

Bei einer Kinderführung kannst du im Marie Louise Stolln selbst Schätze suchen!





